Die Brieftaubenflüsterin

Nach dem Niederfall meines
ganz in weiß-verkitschten Briefkastens,
habe ich mir eine Brieftaube angeschaffen.
„Die wird schon wissen welche Nachricht sie mir bringt
und welche sie lieber für sich behällt“, dachte ich mir.
So kam es, dass wir uns jeden Abend getroffen haben,
ein Bierchen zusammen getrunken haben
und sie mir langweilige, belanglose,
nicht verletzende Nachrichten mitgeteilt hat.
Das war eine schöne Zeit.
Doch meiner Taube wurde es zuviel.
Sie vertrug unser allabendlicher Ritual nicht mehr
und entschloss somit mir nur noch schlechte Nachrichten zu überbringen,
damit sie schnell wieder weg von mir konnte.
So kam es
dass ich für jede einzelne Bewerbung
die ich liebevoll auf meinem Lieblingsbriefpapier handgeschrieben hatte
immer nur ein krähendes „Ha-Ha! Die wollen dich nicht!“
von meiner ehemaligen Brieftaubenfreundin zu hören bekam.
Scheiß auf die Stipendien!
Scheiß auf die Anerkennung!
Ich hätte ihr einfach einen kleinen Kurzen, so ein Korn, ausschenken sollen.
Verdammt.

bisher 32 Kommentare 23. März 2013

Shoppen für Blind-Romantiker

Er hält
das eine Ende von der kiloschweren Einkaufstüte
und sie,
sie klammert sich an das andere Ende fest.
Sie beweist Stärke
indem sie
in der Umkleidekabine jedes noch so kleine Fettröllchen gekonnt ignoriert
und er,
indem er sich verkneift in die Umkleidekabine der Nachbarin reinzuschauen.
Seine Gentleman Bestätigung erkauft er sich an der Kasse,
indem er
seine goldene Visa Karte hinhält
und
in einer dunklen Stimme
seinen gelernten Text gekonnt von seinen Lippen herunterplumpsen lässt
„Isch zahl“
Hach… stöhnt sie und himmelt ihn an.

bisher 44 Kommentare 06. Januar 2013

The end of the world

Ach seht mal her… wir leben noch!
Lasst uns das zusammen feiern und zwar bis zum 16.02.2013 in der Galerie FB69 in Münster!
I´m pleased to see you there!

bisher 36 Kommentare 23. Dezember 2012

Mein Boyfriend

Er weiß
wie ich welche Farbe anmische,
welche Pinselgröße ich für welchen Pinselstrich benutze,
stellt mir immer aufmerksam die Kernseife neben den Wasserhahn,
hat den Inhalt all unserer Duftraumverteilern
mit äußerst kopfdröhnendem Terpentin-Öl ausgetauscht,
legt statt samtweiche Seidenbettwäsche
den kratzfesten Leinwandstoff auf unser Liebesnest,
benennt das Gemüse, das er für mich kocht, nur noch nach seinem Farbton.
Was soll ich sagen..
Er behandelt mich wie sein großer Malerfürst der Love-Area.
Na Herr Lüpertz,
neidisch?

bisher 18 Kommentare 28. August 2012

I am a Slot

Ich funktionniere,
ich leuchte,
doch ich habe das Gefühl
hier und jetzt alleine in meinem schönen Abendkleid zu stehen.
Die Masse stürzt sich in die glänzenden, leuchtenden Casino Räume,
übersieht den muffigen Geruch,
den psychedelischen Teppich, den ich so oft unter meinen Füssen verliere,
und dies nur
um alles auf eine Karte zu setzen.

bisher 53 Kommentare 26. April 2012

Nicht-Valentino-Baby Ode

Es ist die heiligste Nacht für verliebte Paare.
Und du hast uns Kerzen angezündet
verteilt über unser ganzes Liebesnest.
Ich liege in unserem Bett,
beobachte wie du in deiner ganzen Männlichkeit aufstehst,
rüber zur Tür gehst
und deinen Rücken am Türrahmen kratzt.
Du kehrst zurück zu Bett,
gibst mir einen Klatscher auf meinen Allerwertesten,
drehst dich um
und schläfst friedlich weiter.
Nun kann ich beruhigt einschlafen,
denn ich weiß es gibt ihn.

bisher 40 Kommentare 15. Februar 2012

Neo-Funeral 2.0

Am Tag vor der Beerdingung,
dachte sich das kleine Mädchen
Genug mit dem Retro, genug mit dem Traditionellen!
Es ist Zeit für was Neues!

Sie war es satt, dass sie traurig war,
dass sie ständig weinen musste, und dass es draußen nur noch regnete.
Also beschloss sie alles selbst in die Hand zu nehmen.
Sie trug von nun an nur noch Neon-Glamour-Klamotten,
beschmückte sich wie ein christlicher Weihnachtsbaum
voll mit kitschigem überflüssigem Schmuck,
so wie es wohl ihre Oma gemocht hätte.
In einem Gottesdienst war das kleine Mädchen schon lange nicht mehr,
und eigentlich hat sie nie wirklich verstanden was der Mann da vorne von ihr wollte.
Deswegen musste ein neuer Plan herbeigezaubert werden.
Dann kam der Moment,
als sie dann da stand, voller Stolz
und bereit war für ihre ganz persönliche gewidmete Zeremonie.
Sie zog mit all ihrer Kraft an der massiven schweren Tür,
das Licht verblendete ihre kleinen müden Augen,
doch sie nahm ihren Mut und trat in den Raum.
Sie erinnerte sich und bestellte Omas letztes Abendmahl:
Sekt, Roséwein und einmal das Familienglück.
Wie traurig dachte sich das kleine Mädchen..
Doch so traurig war das Ganze gar nicht.
Mit jedem Schluck, mit jedem Happen
erinnerte sich das kleine Mädchen immer mehr
an schöne und lustige Geschichten, die sie mit ihrer Oma erlebt hatte.
Als dann ihr fiktives Gespräch zum Ende kam,
beschloß sie das Zeitliche zu segnen
und bestellte ihr letztes Getränk.. ein Sake.
Sie schluck alles auf einmal runter,
ihr Hals brannte
und jetzt wußte sie das war´s.

bisher 44 Kommentare 22. Dezember 2011

Schlammcatchen

Du liebst es im Ring zu stehen.
Doch das Licht vom Scheinwerfer wirft tiefe Schatten über deine Falten.
Deine glänzende Stirn ist voller Schweißtropfen.
Aus jeder einzelnen Pore quirlt schwarzer Schleim aus dir raus.
Dein Kopf ist besessen von dem Gedanken
jeden den du vielleicht mal geliebt hast fertig zu machen.
Doch mich hast du nicht mehr,
ich bin längst aus dem Ring ausgestiegen.
Und du kannst warten in deinem scheiß Schlamm,
so lang du willst,
denn ich,
ich werde nie so werden wie du, Mudda.

bisher 49 Kommentare 18. Dezember 2011

Mitternachtstrauma

Manche sagen sie sei eine gesunde Beilage,
Andere wiederum meinen sie sei schädlich.
Muss man vielleicht nur aufpassen
wann man sie verzehrt?!
Morgens ist sie vielleicht verdaulicher
als abends kurz vor´m Schlafen-gehen.
Und was passiert wenn man sie komplett weglässt?
Ist dann das Gleichgewicht gestört
oder in Balance?
Hmm.. naja..
Ich weiß nur, dass Eifersucht mir immer meinen Schlaf raubt
und, dass sich vor der allmächtigen Alkoholindustrie
immer eine Schlange von Anhängern knieend bedanken
für deren warmherzigen Trost..
Hauptsache nicht alleine sein.

bisher 34 Kommentare 07. Dezember 2011

Starry starry night

Da stehst du nun,
in der Küche,
nackt mit Hut und Hausschuhen.
Zeigst mir die kleinste Stadt der Welt,
und schenkst mir das größte Geheimnis deiner Welt.
Vincent, oh Vincent,
now I understand what you tried to say to me,
how you suffered for your sanity,
how you tried to set them free.

doch.. hier,
nimm unseren Liebestrank,
nimm ihn an dich
und vergiss alle dir fremde Wörter,
denn sie werden hier nicht mehr gebraucht.
For they could not love you,
But still your love was true.
And when no hope was left in sight
On that starry, starry night,
You took your life, as lovers often do.
But I could have told you, Vincent,
This world was never meant for one
As beautiful as you.

Du, er, sie und wir
werden uns begleiten
in dieser tiefen, tiefen sternenklaren Nacht..

bisher 39 Kommentare 27. November 2011

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